Befund verstehen

Zahnfleischtaschen und Sondierungstiefe verstehen

Beim Befund nennt Ihre Praxis Zahlen von 1 bis 9 und notiert Blutungspunkte. Was diese Werte bedeuten und warum eine Zahl allein nichts aussagt.

Zahnärztliche Sonde bei der Messung der Zahnfleischtasche an einem Zahn

Was wird bei der Sondierung gemessen?

Mit einer dünnen, millimetergenau skalierten Sonde wird geprüft, wie tief der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch reicht. Gemessen wird an mehreren Stellen pro Zahn, üblicherweise an sechs Punkten rundherum. Deshalb kann derselbe Zahn völlig unterschiedliche Werte haben.

Der Vorgang ist bei gesundem Zahnfleisch kaum spürbar. Ist das Gewebe entzündet, kann er unangenehm sein und blutet leicht. Genau diese Blutung ist ein wichtiger Teil des Befunds.

Was bedeuten die Zahlen?

Grob gilt: bis 3 Millimeter unauffällig, 4 bis 5 Millimeter beobachtungs- oder behandlungsbedürftig, ab 6 Millimeter fortgeschritten. Die Einordnung im Detail:

  • 1 bis 3 mm: normaler Sulkus, in der Regel gut zu reinigen.
  • 4 bis 5 mm: beginnende bis moderate Tasche. Zu Hause kaum vollständig zu reinigen.
  • 6 mm und mehr: tiefe Tasche, in der sauerstoffarme Bedingungen herrschen und sich problematische Bakterien ansiedeln.

Warum die Grenze bei etwa 4 Millimetern liegt, ist praktisch begründet: Borsten und Interdentalbürsten erreichen tiefer liegende Bereiche nicht mehr zuverlässig. Ab dort braucht es professionelle Reinigung.

Warum ist die Blutung so wichtig?

Weil sie zeigt, ob die Entzündung gerade aktiv ist, während die Tiefe nur den bisherigen Schaden beschreibt. In der Praxis wird sie als Blutung auf Sondierung notiert, oft abgekürzt als BOP.

Daraus ergeben sich vier Konstellationen:

  • Flach und blutungsfrei: gesunde Verhältnisse.
  • Flach mit Blutung: aktive Entzündung des Zahnfleischs, gut umkehrbar.
  • Tief ohne Blutung: zurückliegender Schaden, aktuell stabil. Braucht Beobachtung, nicht zwingend Behandlung.
  • Tief mit Blutung: aktive Entzündung bei bereits eingetretenem Verlust. Hier besteht Handlungsbedarf.

Das Fehlen von Blutung ist damit einer der verlässlichsten Hinweise auf Stabilität.

Was hat es mit dem Attachmentverlust auf sich?

Der Attachmentverlust beschreibt, wie viel Halteapparat tatsächlich verloren gegangen ist, unabhängig davon, wo das Zahnfleisch gerade steht. Er ist deshalb aussagekräftiger als die Sondierungstiefe allein.

Ein Beispiel: Bei starkem Zahnfleischrückgang kann die gemessene Tasche flach sein, obwohl viel Halt verloren ging. Umgekehrt kann geschwollenes Zahnfleisch eine tiefe Tasche vortäuschen. Deshalb wird der Rückgang mitgemessen und zur Tiefe addiert.

Was gilt am Implantat?

Am Implantat sind die absoluten Zahlen weniger aussagekräftig, entscheidend ist die Veränderung über die Zeit. Auch gesunde Implantate können konstruktionsbedingt tiefere Werte zeigen, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.

Deshalb wird bei der ersten Kontrolle nach der Versorgung ein Ausgangsbefund erhoben. Alle späteren Messungen werden damit verglichen. Eine Zunahme der Tiefe zusammen mit Blutung ist das entscheidende Signal. Mehr dazu unter Mukositis am Implantat erkennen und Periimplantitis.

Was können Sie mit diesen Werten anfangen?

Sie geben Ihnen eine Landkarte der Stellen, die besondere Aufmerksamkeit brauchen. Konkret:

  • Lassen Sie sich die Stellen zeigen, an denen es blutet. Meist sind es dieselben, die beim Putzen ausgelassen werden.
  • Fragen Sie nach der passenden Interdentalbürstengröße für die betroffenen Zwischenräume.
  • Vergleichen Sie beim nächsten Termin. Weniger Blutungspunkte sind der beste Beleg dafür, dass Ihre Pflege wirkt.

Die Anzahl der Blutungspunkte ist damit eine der wenigen Kennzahlen, die Sie selbst direkt beeinflussen können. Wie das gelingt, steht unter Richtig Zähne putzen.

Wichtiger Hinweis: Einzelne Messwerte lassen sich nicht isoliert deuten. Die Einordnung erfolgt immer im Zusammenhang mit Röntgenbefund, Risikofaktoren und Verlauf.

Häufige Fragen

Ab welcher Tiefe ist eine Zahnfleischtasche behandlungsbedürftig?

Werte ab 4 Millimetern gelten als auffällig, ab 6 Millimetern als fortgeschritten. Entscheidend ist aber immer die Kombination mit Blutung und Röntgenbefund.

Tut die Messung weh?

Bei gesundem Zahnfleisch kaum. Bei entzündetem Gewebe kann sie unangenehm sein und blutet leicht.

Können sich Taschen wieder zurückbilden?

Teilweise ja. Nach erfolgreicher Behandlung schrumpft geschwollenes Gewebe und die Werte sinken. Verlorener Knochen wächst dabei aber nicht nach.

Warum blutet es an manchen Stellen und an anderen nicht?

Weil die Entzündung lokal ist. Meist sind es genau die Stellen, die bei der täglichen Reinigung regelmäßig ausgelassen werden.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. DG PARO / DGZMK: S3-Leitlinie zur Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III.
  2. European Federation of Periodontology (EFP): Definition parodontaler Gesundheit und Krankheit.
  3. International Team for Implantology (ITI): Sondierung an Implantaten.

Zuletzt aktualisiert: 1. September 2026.

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