Die stille Volkskrankheit

Parodontitis: Symptome, Stadien & Behandlung

Parodontitis verläuft lange ohne Schmerzen und ist trotzdem die häufigste Ursache für Zahnverlust im Erwachsenenalter. Woran Sie sie erkennen und was die moderne Therapie leisten kann.

Medizinische Darstellung von entzündetem Zahnfleisch und Knochenabbau bei Parodontitis

Was ist Parodontitis genau?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, bei der sich Zahnfleisch, Wurzelhaut und Kieferknochen rund um den Zahn schrittweise zurückbilden. Ausgelöst wird sie von einem bakteriellen Biofilm am Zahnfleischrand. Das Immunsystem reagiert auf diesen Biofilm mit einer Dauerentzündung, und genau diese Reaktion baut das Gewebe ab, das den Zahn hält.

Umgangssprachlich heißt die Erkrankung oft Parodontose. Fachlich korrekt ist Parodontitis, denn die Endung „itis“ steht für den entzündlichen Charakter. In Deutschland und Österreich ist etwa jeder zweite Erwachsene betroffen, viele davon ohne es zu wissen.

Welche Symptome deuten auf eine Parodontitis hin?

Das erste und wichtigste Warnzeichen ist Zahnfleisch, das beim Putzen blutet. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht. Weitere Hinweise treten meist schleichend auf:

  • Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch, das auf Druck empfindlich reagiert.
  • Anhaltender Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack, der nach dem Putzen zurückkehrt.
  • Zahnfleischrückgang: Die Zähne wirken länger, Zahnhälse liegen frei.
  • Empfindlichkeit bei Kaltem, Heißem oder Süßem.
  • Zahnlockerung oder Zahnwanderung, oft erst in fortgeschrittenen Stadien.

Auffällig ist, was fehlt: Schmerz. Eine Parodontitis kann über Jahre fortschreiten, ohne wehzutun. Deshalb wird sie häufig erst entdeckt, wenn bereits Knochen verloren ist. Wie Sie Blutungen richtig einordnen, lesen Sie unter Zahnfleischbluten am Implantat.

Wie unterscheidet sich Parodontitis von Gingivitis?

Die Gingivitis betrifft nur das Zahnfleisch und ist vollständig heilbar, die Parodontitis hat bereits den Knochen erreicht und hinterlässt bleibende Schäden. Der Übergang ist fließend: Praktisch jede Parodontitis beginnt als Gingivitis. Wird die Entzündung in dieser frühen Phase gestoppt, erholt sich das Gewebe komplett.

Bei Implantatträgern gibt es die gleiche Abstufung unter anderem Namen: Die Mukositis entspricht der Gingivitis, die Periimplantitis der Parodontitis. Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie unter Gingivitis, Parodontitis, Periimplantitis.

Welche Stadien gibt es?

Die aktuelle internationale Klassifikation teilt die Parodontitis in vier Stadien ein, die sich am Ausmaß des Knochenabbaus orientieren:

  1. 1
    Stadium I, beginnend. Geringer Knochenabbau, Taschentiefen bis etwa 4 Millimeter. Gut beherrschbar.
  2. 2
    Stadium II, moderat. Der Abbau ist messbar fortgeschritten, die Zähne stehen aber noch fest.
  3. 3
    Stadium III, schwer. Deutlicher Knochenverlust, einzelne Zähne können verloren gehen, Taschen sind tief.
  4. 4
    Stadium IV, sehr schwer. Ausgedehnter Verlust, Zähne wandern oder lockern sich, die Kaufunktion ist beeinträchtigt.

Ergänzend wird ein Grad bestimmt, der beschreibt, wie schnell die Erkrankung voranschreitet. Rauchen und ein schlecht eingestellter Diabetes verschieben diesen Grad nach oben.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Parodontitistherapie ist ein mehrstufiger Prozess, der immer mit der Entfernung des bakteriellen Biofilms beginnt. Der übliche Ablauf:

  1. 1
    Befund. Die Praxis misst alle Zahnfleischtaschen, prüft Blutungspunkte und fertigt Röntgenbilder an.
  2. 2
    Vorbehandlung. Professionelle Reinigung oberhalb des Zahnfleischrands und eine Anleitung zur häuslichen Pflege.
  3. 3
    Geschlossene Therapie. Unter lokaler Betäubung werden die Wurzeloberflächen in den Taschen gereinigt und geglättet.
  4. 4
    Reevaluation. Nach einigen Wochen wird erneut gemessen. Viele Fälle sind damit abgeschlossen.
  5. 5
    Chirurgische Therapie. Bleiben tiefe Taschen bestehen, kann ein kleiner Eingriff nötig sein, um sie zugänglich zu machen.
  6. 6
    Erhaltungstherapie. Regelmäßige Nachsorge in individuell festgelegten Abständen, dauerhaft.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird am häufigsten unterschätzt. Ohne konsequente Nachsorge kehrt die Entzündung in vielen Fällen zurück.

Was können Sie selbst tun?

Die häusliche Pflege entscheidet darüber, ob die Behandlung hält. Konkret zählen vier Dinge:

  • Zweimal täglich gründlich putzen, mit weichen Borsten und am Zahnfleischrand statt nur auf den Kauflächen.
  • Täglich die Zahnzwischenräume reinigen, mit Interdentalbürsten in der passenden Größe.
  • Rauchstopp. Rauchen ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor und verschlechtert zugleich den Behandlungserfolg.
  • Nachsorgetermine einhalten, auch wenn nichts wehtut.

Mehr zur richtigen Reinigungstechnik lesen Sie unter Zahnimplantate richtig reinigen, mehr zum Risikofaktor Rauchen unter Rauchen und Zahnimplantate.

Warum ist Parodontitis auch für Implantatträger relevant?

Wer eine Parodontitis hatte, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Periimplantitis. Die auslösenden Bakterien bleiben im Mund und besiedeln auch die Implantatoberfläche. Hinzu kommt: Am Implantat fehlt die Wurzelhaut, die einen natürlichen Zahn zusätzlich schützt und besser durchblutet ist. Entzündungen breiten sich dort schneller aus.

Für Implantatträger mit parodontaler Vorgeschichte bedeutet das kürzere Kontrollintervalle und eine besonders sorgfältige tägliche Reinigung. Was das konkret heißt, erklären wir unter Mit Parodontitis ein Implantat.

Wichtiger Hinweis: Zahnfleischbluten, das länger als ein bis zwei Wochen anhält, gehört zahnärztlich abgeklärt. Dieser Artikel ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung in Ihrer Praxis.

Häufige Fragen

Ist Parodontitis heilbar?

Die Entzündung lässt sich stoppen und der Zustand stabilisieren. Bereits verlorener Knochen wächst jedoch nicht von selbst nach, deshalb spricht man von Kontrolle statt Heilung.

Tut Parodontitis weh?

Meist nicht. Genau das macht sie gefährlich, denn sie schreitet über Jahre unbemerkt fort. Schmerzen treten oft erst in sehr späten Stadien auf.

Ist Parodontitis ansteckend?

Die beteiligten Bakterien können über Speichel übertragen werden. Ob daraus eine Erkrankung entsteht, hängt aber vor allem von Mundhygiene, Immunlage und Risikofaktoren ab.

Wie lange dauert eine Parodontitisbehandlung?

Die aktive Phase erstreckt sich meist über einige Wochen bis wenige Monate. Die anschließende Erhaltungstherapie begleitet Sie dauerhaft.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. DG PARO / DGZMK: S3-Leitlinie zur Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III.
  2. European Federation of Periodontology (EFP): Klassifikation parodontaler und periimplantärer Erkrankungen.
  3. Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Patienteninformationen zu Parodontalerkrankungen.

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2026.

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