Implantat-Pflege & Gesundheit

Periimplantitis — der
Implantat-Feind Nr. 1.

Periimplantitis ist eine bakteriell verursachte, chronische Entzündung des Gewebes rund um ein Zahnimplantat – mit Beteiligung des Kieferknochens. Anders als die vorangehende Mukositis ist der Knochenabbau irreversibel und führt unbehandelt zum Verlust des Implantats.

22 % Prävalenz unter Implantatträgern1
irreversibel Verlorener Kieferknochen wird nicht ersetzt
Implantatverlust Im Endstadium droht Explantation
Definition

Was ist Periimplantitis?

Periimplantitis bezeichnet eine bakteriell ausgelöste Entzündung des periimplantären Gewebes mit nachweisbarem Verlust an stützendem Kieferknochen. Sie ist die fortgeschrittene Stufe der Mukositis – und unterscheidet sich von dieser entscheidend durch den Knochenabbau.

  • Periimplantäres Weichgewebe Schleimhaut und Bindegewebe um den Implantathals
  • Periimplantärer Knochen Alveolärknochen, der das Implantat verankert
  • Mikrospalt Übergang zwischen Implantatkörper und Aufbau, häufig Eintrittspforte für Bakterien
Schemazeichnung: gesundes Zahnimplantat vs. periimplantitis-betroffenes Implantat
Krankheitsstadien

Von der Mukositis zur Periimplantitis.

Beide Erkrankungen beginnen mit derselben bakteriellen Plaque-Anlagerung – doch nur eine ist umkehrbar. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob der Kieferknochen bereits beteiligt ist.

Schemazeichnung: Mukositis – Entzündung des Weichgewebes um das Zahnimplantat
Stadium 1 Reversibel

Mukositis

Die bakterielle Entzündung beschränkt sich ausschließlich auf das Weichgewebe rund um den Implantathals. Der darunterliegende Kieferknochen ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig unberührt und intakt.

Betroffenes Gewebe
Periimplantäre Schleimhaut
Reversibel
Ja, durch konsequente Mundhygiene
Häufigkeit
~ 43 % der Implantatträger1
Schemazeichnung: Periimplantitis – Entzündung mit Knochenabbau um das Zahnimplantat
Stadium 2 Irreversibel

Periimplantitis

Die Entzündung greift auf den Kieferknochen über. Es kommt zu einem schleichenden, unumkehrbaren Knochenabbau – im Endstadium droht der Implantatverlust.

Betroffenes Gewebe
Weichgewebe + Alveolärknochen
Reversibel
Nein, Knochenverlust bleibt
Häufigkeit
~ 22 % der Implantatträger1
Krankheitsverlauf

Wie entsteht eine Periimplantitis?

Periimplantitis verläuft schleichend – oft ohne Schmerzen. Vom ersten Plaquefilm bis zum Implantatverlust liegen Monate bis Jahre.

01

Plaque-Anlagerung

Bakterienfilm setzt sich am Übergang vom Implantathals zur Mundschleimhaut ab. Ohne ausreichende mechanische Reinigung verdichtet sich die Plaque zu Biofilm.

02

Periimplantäre Mukositis

Das umliegende Weichgewebe entzündet sich. Klassische Zeichen: Rötung, Schwellung, Blutung bei Sondierung. In dieser Phase ist die Erkrankung noch vollständig reversibel.

03

Mikrospalt-Invasion

Bei zusammengesetzten Implantaten dringen Bakterien durch den Mikrospalt zwischen Implantatkörper und Suprakonstruktion in tiefere Gewebe ein und entgehen so der mechanischen Reinigung.

04

Übergang in den Knochen

Die Entzündung erreicht den Alveolarknochen (periimplantäre Ostitis). Osteoklasten beginnen mit dem Knochenabbau – jetzt spricht man von Periimplantitis. Der Prozess wird irreversibel.

05

Knochenverlust & Implantatverlust

Der Halt im Knochen schwindet, das Implantat lockert sich. Ohne frühzeitige Therapie endet der Verlauf in der Explantation – häufig mit anschließendem aufwendigem Knochenaufbau.

Risikofaktoren

Wer ist besonders gefährdet?

Mehrere Faktoren erhöhen das Periimplantitis-Risiko deutlich. Manche sind beeinflussbar, andere sind genetisch oder systemisch bedingt.

Rauchen

Nikotin führt zu Vasokonstriktion und reduziert die lokale Durchblutung. Die Immunabwehr im Gewebe ist geschwächt, Bakterien können sich leichter ansiedeln.

3–5× höheres Risiko2

Genetische Disposition

Polymorphismen im Interleukin-1-Gencluster (IL-1α/β) modulieren die Entzündungsantwort. Träger bestimmter Varianten reagieren stärker auf bakterielle Reize.

Familienanamnese beachten

Osteoporose & Bisphosphonate

Eine reduzierte Knochenstoffwechselrate, häufig medikamentös durch Bisphosphonate verstärkt, beeinträchtigt die periimplantäre Knochenregeneration und das Remodeling.

Internistische Anamnese essenziell

Diabetes mellitus

Chronische Hyperglykämie führt zu AGE-Akkumulation und Mikroangiopathie. Schlecht eingestellte Diabetiker zeigen eine deutlich erhöhte Anfälligkeit für periimplantäre Infektionen.

HbA1c-Kontrolle wichtig
Symptome erkennen

Anzeichen einer Periimplantitis.

Da Periimplantitis lange ohne Schmerzen verläuft, sind objektive Zeichen entscheidend. Eines oder mehrere der folgenden Symptome sollten Anlass für einen Arztbesuch sein:

  • Zahnfleischbluten beim Sondieren Klinisches Schlüsselzeichen; positiver BoP-Index
  • Sondierungstiefen > 5 mm Hinweis auf Taschenbildung und Gewebeverlust
  • Halitosis (Mundgeruch) Stoffwechselprodukte anaërober Bakterien
  • Zahnfleischrückgang Sichtbare Verlängerung der Krone, freiliegender Implantathals
  • Eitriger Ausfluss Suppuration aus der periimplantären Tasche
  • Implantatlockerung Endstadium Mechanische Instabilität als Spätzeichen schweren Knochenverlusts
Studienlage

Was die Forschung zeigt.

Drei zentrale Befunde aus systematischen Reviews der letzten Jahre.

0 % der Implantatträger entwickeln im Laufe der Zeit Periimplantitis1
0 % zeigen periimplantäre Mukositis – die Vorstufe der Periimplantitis1
0–5× erhöhtes Risiko bei aktiven Rauchern gegenüber Nichtrauchern2
Diagnose & Behandlung

Diagnose und Therapie.

Die Diagnose beruht auf klinischer Sondierung (Blutungsindex, Sondierungstiefe, Suppuration) und einer Röntgenkontrolle zur Beurteilung des Knochenniveaus. Die Therapie eskaliert stufenweise – je früher sie einsetzt, desto besser die Prognose.

01

Konservative Therapie

Professionelle Implantatreinigung mit Spezialküretten oder Air-Polishing-Pulver, antimikrobielle Spülungen, lokale Antibiotika. Ziel: Eliminierung des Biofilms ohne chirurgischen Eingriff.

  • Geeignet bei früher Periimplantitis
  • Engmaschige Recall-Termine
02

Chirurgische Therapie

Lappenoperation zur Darstellung der Implantatoberfläche, Dekontamination und ggf. regenerative Verfahren mit Knochenersatzmaterial und Membran (GBR).

  • Bei moderatem Knochenverlust
  • Resektive oder regenerative Technik
03

Explantation

Bei fortgeschrittenem Knochenabbau und Implantatlockerung bleibt nur die Entfernung – oft gefolgt von Knochenaufbau und späterer Reimplantation.

  • Letzte Option im Endstadium
  • Aufwendige Rekonstruktion nötig
Prävention

Periimplantitis lässt sich
vermeiden.

Die wichtigste Maßnahme ist konsequente, schonende Mundhygiene – unterstützt durch professionelle Recall-Termine zweimal im Jahr und speziell auf Implantatträger abgestimmte Pflegeprodukte.

  • Zahnärztliche Kontrolle 2× jährlich
  • Schonende, vollständige Plaquekontrolle
  • Pflegeprodukte speziell für Implantatträger
Wissenschaftliche Quellen

Studienverzeichnis

  1. Derks J, Tomasi C. Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology. J Clin Periodontol. 2015;42 Suppl 16:S158–71.
  2. Heitz-Mayfield LJA. Peri-implant diseases: diagnosis and risk indicators. J Clin Periodontol. 2008;35(8 Suppl):292–304.
  3. Lindhe J, Meyle J. Peri-implant diseases: Consensus Report of the Sixth European Workshop on Periodontology. J Clin Periodontol. 2008;35(8 Suppl):282–5.
  4. Mombelli A, Müller N, Cionca N. The epidemiology of peri-implantitis. Clin Oral Implants Res. 2012;23 Suppl 6:67–76.
  5. Renvert S, Persson GR, Pirih FQ, Camargo PM. Peri-implant health, peri-implant mucositis, and peri-implantitis: Case definitions and diagnostic considerations. J Clin Periodontol. 2018;45 Suppl 20:S278–85.
  6. Turkyilmaz I, Tözüm TF. 30-Year Outcomes of Dental Implants Supporting Mandibular Fixed Dental Prostheses: A Retrospective Review of Three Cases. J Oral Implantol. 2015;41(6):e264–8.